- Story
HKB-Studentin Maria Roters befragt
26.02.2025 Das Klavierspiel gehört seit jeher zu Marias Leben und sie hat es damit weit gebracht. Und doch hat sie ein Zweitstudium absolviert: den Master Music Pedagogy – Klassik an der HKB.

Maria Margaretha Roters ist in München aufgewachsen. Während ihre Mutter Klavierunterricht gab, sass die kleine Maria oft im Hochstuhl daneben – ihr wurde das Klavierspiel in die Wiege gelegt. Als sie vier Jahre alt war, spielte sie bereits zum ersten Mal auf der Bühne Klavier. Eine bemerkenswerte Karriere nahm ihren Anfang.
Schliesslich bestand sie als Dreizehnjährige die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik und Theater München, absolvierte 2017 den Bachelor und 2020 den Master im Fach Klavier bei Prof. Hans-Christian Wille an der Fakultät Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Im Januar 2025 hat sie ihr Abschlusskonzert im Master Music Pedagogy – Klassik an der Hochschule der Künste Bern HKB gegeben. Sie hat ihr Studium bei Patricia Pagny und Antoine Francoise abgeschlossen.
Wir treffen uns am HKB-Musik-Standort Papiermühlestrasse. Das trübe und nasse Grau draussen, sowie unsere leisen Bedenken, ob es vielleicht zu dunkel für Videoaufnahmen sein könnte, sind sofort vergessen, als die strahlende Frau mit ihrer positiven Energie den Veress-Saal betritt.
Liest man als Laie deinen Lebenslauf, nimmt man an, dass ein Leben als Vollzeitmusikerin möglich sein dürfte. Was waren deine Beweggründe für ein zweites Masterstudium respektive für eine pädagogische Ausbildung?
Natürlich hatte die Corona-Pandemie einen Einfluss auf mein bisheriges Leben, da ich bis dato sehr viel konzertierte. Das Unterrichten hatte ich als etwas nebenbei Laufendes in meinem Leben und sobald diese Pandemie in unser aller Leben eingezogen ist, hatte ich das weiterhin als Konstante – mit einer Schülerin habe ich den Unterricht online weitergeführt und eine besonders starke und tolle Verbindung aufbauen können. Wie mir die Schülerin im Nachhinein erzählte, war ihr die Online-Fortführung des Klavierunterrichts eine grosse Stütze. Diese Tatsache und auch die Erfahrungen mit meinen anderen Schüler*innen haben mich darauf gebracht: «Ach vielleicht ist ja das Leben mehr, als nur Konzerte zu spielen und, dass es eine Fähigkeit gibt, die noch ausbaufähig wäre.» Schliesslich haben mich glückliche Umstände und Begegnungen durch eine neue gewonnene Freundin und deren Eltern in die Schweiz und gleichzeitig in die Pädagogik geführt.
«Ich hatte schon die spannendsten Gespräche mit sechsjährigen Kindern.»
Worin unterscheiden sich für dich das Klavierspielen und das Unterrichten gefühlsmässig? Was löst es jeweils in dir aus?
Beim Klavierspielen kann man mit der eigenen Gefühlswelt, mit den eigenen Gedanken, mit Erinnerungen verschiedenster Arten in Berührung kommen, selbst wenn es komponierte Werke, – also Gedankengut und Gefühle eines anderen Menschen sind – mit denen man sich aber identifizieren kann. Und im Unterrichten habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich eben diese Verbindungen auch herstellen lassen, indem ich zum Beispiel den Schüler*innen eine Sensibilisierung dafür gebe, was denn in diesem Stück alles vorkommen könnte: Welche Geschichte dahinterstecken könnte, in welcher Lebenslage die Komponistin oder der Komponist gewesen ist, als die Musik entstanden ist, … Das kann schon dem einen oder der anderen Schüler*in die Angst nehmen vor dem, was sie auf dem Papier sehen und was es in ihnen auslöst. Und gleichzeitig kann es eine Verbindung ermöglichen, auf die sie vielleicht sonst nicht gekommen wären. Für die Begleitung und Unterstützung von Schüler*innen in solchen Situationen hilft die eigene Erfahrung als Spielerin und Musizierende.
Ich finde schon, dass sich das Unterrichten und Konzertieren gut verbinden lässt. Die Arbeit an sich selbst ist wichtig bei der Vermittlung, beim Reflektieren und bei der Entwicklung von Fähigkeiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Mensch, ob jung oder alt, zu mehr in der Lage ist, als es ihm in den Unterrichtssituationen bewusst ist.
Ich hatte schon die spannendsten Gespräche mit sechsjährigen Kindern. Man kann mit ihnen über dieselben Gefühlsebenen anknüpfen, die man selbst kennt oder man kann zumindest lernen, diese zuzulassen. Das habe ich hier in diesem Studium bei Dozierende, die speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Kurse angeboten hatten, gelernt. Dass es nicht gegeben ist, den Zugang zum eigenen inneren Kind herstellen zu können, aber dass es dabei helfen kann, indem man mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, den Zugang mehr und mehr auszubauen. Ich konnte bereits von vielen jugendlichen Schüler*innen sehr viel mitnehmen und andererseits haben sie mich in ihre Gefühls- oder Musikwelt mitgenommen. Es ist ein schönes Miteinander, ein Geben und Nehmen.
Gehört das zu einem der Aspekte, die dir besonders gut gefallen haben an der HKB?
Absolut. An der HKB und im Pädagogikstudium hat mir sehr gut gefallen, dass eine Vielzahl von Kursen angeboten werden, bei denen ich auch grösstenteils intuitiv entscheiden konnte, ob sie mir zusagen, ob sie vielleicht eine Bereicherung für mich wären, ob ich vielleicht Dinge hören werde, die ich bereits kenne, die ich aber vertiefen möchte. Oder, dass auch eine Konfrontation stattfinden kann im Inneren. Dass das eigene Bewusstsein oder eigene Ideologien, wie man aufgewachsen ist und wie man selbst die Musik in seinem Leben kennengelernt hat, durch inspirierende neue Ideen beeinflusst und verändert werden können.
Der Austausch mit den Studienkolleg*innen und mit den Dozent*innen hier war eine grosse Bereicherung: Ich hatte die Möglichkeit, mit ihnen im Rahmen meiner Masterarbeit zusammen zu arbeiten, mit ihnen zu diskutieren und bei ihrem eigenen Unterricht zu hospitieren.
Vielleicht abschliessend noch eine Frage mit Blick in die Zukunft. Jetzt hast du abgeschlossen. Wie geht es für dich weiter?
Ich habe das Studium Ende Januar in Form des Abschlusskonzerts abgeschlossen und darf mich glücklich schätzen, dass ich an der Musikschule Konservatorium Zürich so wie auch an der Oberaargauischen Musikschule Langenthal eine Stelle erhalten habe. Ich bin mehr als glücklich mit fast vollem Pensum unterrichten zu können. Andererseits habe ich auch für mich etwas wiederentdecken können im Rahmen dieses Studiums – was ich nicht für möglich gehalten hatte, da das Konzertieren mehr in den Hintergrund gerückt ist – und zwar doch wieder verstärkt Konzerte spielen zu wollen. Ich habe tolle Kolleg*innen hier in der Schweiz und an der Hochschule kennengelernt und ich dachte mir «Ach, was spricht denn dagegen, zusammen in Konzerten zu spielen?». Und mein Trio Tri’ondulé habe ich auch hier gefunden. Ich möchte auf jeden Fall weitergehend Konzerte spielen und mit anderen musizieren, da ich gemerkt habe, dass das gleichwertig ist mit dem Unterricht: die Erfahrung, die man selber als Musizierende macht, ob solistisch oder mit anderen zusammen, kann und darf man auch unbedingt in den Unterricht mittragen und das werde ich machen. Darauf freue ich mich.