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«Care@home ist eine Entwicklung, die bereits da ist.»
03.04.2025 Am 2. April 2025 trafen sich im Berner Kornhausforum Vertreter*innen von Spitex, Spitälern, Politik und Forschung. Sie diskutierten Care@home als Ansatz für die Pflege der Zukunft.
Das Wichtigste in Kürze
- Dem Schweizer Gesundheitssystem fehlen Fachkräfte.
- Care@home übernimmt die Pflege von Patient*innen zu Hause.
- Das neue Versorgungsmodell stösst bei vielen Akteur*innen im Gesundheitswesen auf Interesse.
- Allerdings sind noch einige Fragen, insbesondere der Finanzierung, offen.
Bei der Veranstaltung im Berner Kornhausforum zum Thema Care@home wurden die Zusammenarbeit zwischen Spitex und Spital sowie Finanzierungsmöglichkeiten von Care@home diskutiert. Ebenfalls zur Sprache kam die Frage, was das neue Versorgungsmodell für Patient*innen und Zugehörige bedeutet. Gemäss dem Rektor der BFH, Sebastian Wörwag, geht es dabei um ein grosses gesellschaftliches Ziel der Gesundheitsversorgung. Dass man heute auf die Gründung des Swiss Center for Care@home (SCC) zurückblicken könne, sei auch Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg zu verdanken, der das Projekt von Anfang an unterstützt habe.
Neue Modelle fürs Gesundheitssystem
Letzterer lud die zahlreichen Besuchenden mit seinem Grusswort zu einer kleinen Tour d’Horizon durch das Schweizer Gesundheitswesen: Die zunehmende Ambulantisierung öffne neue Wege für Care@Home. Er betonte, dass das neue Versorgungsmodell als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu bestehenden Modellen zu sehen sei. Man habe bereits sehr positive Erfahrungen gemacht. Es fehle weder an der Technologie noch an den Prozessen, so sein Votum, sondern an einem Tarif- und Finanzierungssystem, das Ansätze wie Care@home einschliesse.
Impressionen des Abends
Als Co-Leiterin des Swiss Center for Care@home gab Friederike J.S. Thilo einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Zentrums. Sie betonte, dass es für die Implementierung neuer Ansätze wie Care@home verschiedene Handlungsfelder braucht. Am SCC setze man insbesondere auf die Netzwerkbildung mit bereits über 60 Lead-Partner*innen, auf das Sammeln von Best-Practice-Beispielen und wissenschaftlichen Evidenzen, sowie auf die Projektanschubfinanzierung.
Aus Erfahrungen lernen
Sanjay Singh präsentierte als Mitglied der CSS-Konzernleitung erste Erfahrungen mit der sogenannten Episodenpauschale, mit der bestimmte Leistungen pauschal abgegolten werden. Neue Finanzierungsmodelle, so sein Fazit, würden nur dann Sinn machen, wenn auch neue Rollen definiert würden wie zum Beispiel eine Koordinationsrolle, die Patient*innen dabei unterstützt, sich im neuen System zurechtzufinden und ihnen zur bestmöglichen Behandlung zu verhelfen.
Swiss Center for Care@home: Aktives Netzwerk mit starker Innovationskraft
Das Swiss Center for Care@home (SCC) hat die Mission, die intersektorale und interprofessionelle Gesundheitsversorgung durch wirkungsvolle und effiziente Massnahmen zu fördern. Dazu bilden wir im SCC ein aktives Netzwerk aus Leadpartner*innen und Expert*innen aus Forschung und Lehre der Berner Fachhochschule sowie kantonalen und nationalen Forschungsinstitutionen.
Darüber, wie die Rollen in einem Care@home-Modell sich zwischen stationärer und ambulanter Pflege und Betreuung neu verteilt, haben sich Kristian Schneider als CEO Spitalzentrum Biel und Marianne Pfister, als Co-Geschäftsführerin Spitex Schweiz lebhaft unterhalten. Mit der Ständerätin Flavia Wasserfallen diskutierten sie die Frage, ob eine Implementierung von Care@home eher über nationale Guidelines (Top-down) oder über lokale Erprobungen von Best Cases (Bottom-up) umzusetzen sei.
Sehr konkret war der Input von Minou Afzali, der Leiterin Forschung beim Swiss Center for Design and Health (SCDH). Bei allen Modellen dürfe man die gelebte Umwelt der Patient*innen nicht vergessen. Sie zeigte, wie die Gestaltung von Räumen, Prozessen, digitalen und analogen Produkten die Pflegearbeit bei Patient*innen ganz praktisch vereinfachen kann.
Mensch im Mittelpunkt
Die thematischen Inputs sorgten für eine sehr angeregte Diskussion. So wurde die Frage gestellt, ob Care@home wirklich eine Lösung im Kampf gegen den Fachkräftemangel sein könne, welche Rolle der Politik zukommen muss, wie viel Eigeninitiative für den Wandel im System nötig ist und wie die Finanzierung der neuen Ansätze gewährleistet werden kann.
In seinem Schlusswort rief Sebastian Wörwag dazu auf, bei allen organisatorischen, finanziellen, technologischen und politischen Fragen den Menschen nicht zu vergessen. «Care@home ist eine Entwicklung, die bereits da ist», sagte der Rektor der BFH und dankte allen Akteur*innen für ihren Mut, das Thema in Angriff zu nehmen, zusammenzuarbeiten und sich so den noch offenen Fragen zu stellen.